magazine 806073 1920This story is part of a brochure in the making by Noor Badshah Yousafzai who himself came to Germany as a refugee. He is a journalist and contributed articles to media outlets such as e.g. the BBC Pashtu and is also an editor for The Pashtun Express. As soon as the brochure is printed, we'll publish it here on our blog. Until then, we want to share the stories with you individually, one by one. The brochure is funded by "Partnerschaften für Demokratie Treptow-Köpenick" through the programme Demokratie Leben!

Noor Twitter Handle @NBYousafzai

Translation English to German: Dr. Jamila Baluch (Lektorat und Übersetzung)

Photo: private

 

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German version of the article see below.

 

It was a cold Friday, I am heading towards a refugee camp in Berlin. A social worker welcomes me and guides me through the alleys of the camp. After a short journey, she knocks on a door and a smiley face opens. On the door step my friend introduces me to a woman and then goes back to her activities.

As I enter the apartment, I find the room in best shape and most of the things are accommodated very well. The apartment is a reflection on the ecstatic sense of the woman who now offers me a chair. A cute baby is playing with some toys. After a few minutes, Nermeen stands in front of me. Besides her homelessness, Nermeen’s (29) face is bright and smiley and she is in full confidence. I am sure the long journey of wretchedness made her beautiful and brave both on the in- and outside.

Nermeen was a Palestinian born in the United Arab Emirates (UAE) and had lived in Syria for years without ever being to her parents’ home country due to it’s uncertain state. Her father had been doing business in Dubai but lost it and so they shifted back to Syria. Life was hard in Syria because Arabic wasn’t Nermeen’s mother tongue and in the UAE she underwent an English education. “Home affairs were not favourable for further studies”, Nermeen begins her tale.  At the age of 16 she started a marketing job in Damascus. “I would keep two bags on my back to sell local and other companies’ products to support my family”, she describes.  

She would work 12 hours per day, dealing better than others because of her English skills that allowed her to address foreigners, too. “But the problem was I just wasn’t a marketing person at all. During that time, I fell in love with a guy and after few meetings we got married”, she narrates. “We were together for almost five years but only half of the time was gloomy. And then we separated, I was back alone and struggling to stand on my feet. Then I went back to the UAE with a broken hearth and felt like a totally failed person.”

“From the UAE, I went back to Jordan to work and start life along my sister. But I was not settling in the Arabic desert, although I was giving it my everything. At that time, news of war from Syria were coming in. I even heard they were hiring people forcefully to fight in the war. So then instead of Syria I packed my bags for Egypt. As I didn’t want to land in an uncertain Syria”, Nermeen goes on.

In 2013, she willingly married a 32-year-old Egyptian. It was the second blunder, the free bird got caged in again. “This man was cruel, I couldn’t leave the house. He locked my mobile phone and passport. He would beat me if I demanded anything. I was again helpless and could not find any means to contact my family and complain about this barbarism. Although I tried to flee a couple of times, I did not succeed. At last, my mother arrived and I came back to war torn Syria. But this Egyptian husband never stopped threatening me and would tell me he would find a way to kill me with the help of terrorist organizations.”

“I was pregnant and near to delivery, I was badly weak and when my family took me out to hospital but the roads were blocked and health facilities were not available due to streets warfare. So, my first baby died”, Nermeen tells and starts sobbing. She tried her luck again and travelled to Jordan and afterwards Turkey, from there she travelled to Greece with the help of smugglers. From Turkey to Greece, she undertook the journey in a boat crossing the ocean. “I saw life and death from the thinnest view”, Nermeen remembers the mountainous water waves and vulnerable condition of the boat.

“Then I came to Germany in December of 2015”, she resounds with a sigh of relief. “I am super happy living here with my son. The respect for humanity is greater here in Germany.” Later, Nermeen got married again in Berlin but this marriage also didn’t last for long period. She gave birth. The tears are rolling down her chin while she braids her baby’s hair. Nermeen is clearly upset about her child’s future. She perceives life in Germany being safe and well facilitated. She wants to continue her study and pursue her education to live independent life.

 

Deutsche Übersetzung der Geschichte

 

Nermeens Suche nach Glück

Es war ein kalter Freitag. Ich ging zu einer Unterkunft für Geflüchtete in Berlin. Eine Sozialarbeiterin begrüßt mich und führt mich durch die Gänge der Unterkunft. Nach einem kurzen Fußweg klopft sie an eine Tür. Ein lächelndes Gesicht öffnet. An der Tür stellt meine Freundin mich einer Frau vor und geht dann zurück an ihre Arbeit.

Als ich die Wohnung betrete, finde ich das Zimmer in bestem Zustand vor, und die meisten Dinge sind gut untergebracht. Die Wohnung spiegelt den Sinn für Ästhetik einer Frau, die mir nun einen Stuhl anbietet. Ein niedliches Baby spielt mit ein paar Spielsachen. Nach einigen Minuten steht Nermeen (29) vor mir. Trotz ihrer Obdachlosigkeit leuchtet Nermeens Gesicht. Sie lächelt und ist voller Selbstvertrauen. Ich bin sicher, die lange Reise der Entbehrung machte sie schön und mutig, sowohl von innen als auch von außen.

Nermeen wurde als Palästinenserin in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) geboren und lebte jahrelang in Syrien, ohne jemals das Heimatland ihrer Eltern zu besuchen -  aufgrund der unsicheren Lage. Ihr Vater hatte ein Geschäft in Dubai, es aber verloren, so dass sie zurück nach Syrien zogen. Das Leben in Syrien war hart, denn Arabisch war nicht Nermeens Muttersprache, und in den VAE hatte sie eine englische Ausbildung durchlaufen. „Die Lage zuhause erlaubte mir nicht, weiter zu studieren,“ beginnt Nermeen ihre Geschichte. Im Alter von 16 Jahren begann sie, in Damaskus als Vermarkterin zu arbeiten. „Ich trug zwei Taschen auf dem Rücken, um die Produkte von lokalen und anderen Firmen zu verkaufen und so meine Familie zu unterstützen,“ berichtet sie.

Sie arbeitete etwa 12 Stunden am Tag, wobei sie erfolgreicher war als andere wegen ihrer Englischkenntnisse, die es ihr erlaubten, auch Ausländer anzusprechen. „Aber das Problem war, dass ich überhaupt kein Verkaufstyp war. Damals verliebte ich mich in einen Mann, und nach ein paar Treffen heirateten wir,“ erzählt sie. „Wir waren fast fünf Jahre zusammen, wovon wir nur die Hälfte der Zeit unglücklich waren. Und dann trennten wir uns. Ich war wieder alleine und kämpfte, um auf eigenen Füßen zu stehen. Dann ging ich zurück in die VAE mit einem gebrochenen Herzen und fühlte mich wie eine komplette Versagerin.“

„Von den VAE kehrte ich nach Jordanien zurück, um zu arbeiten und mir gemeinsam mit meiner Schwester ein Leben aufzubauen. Aber ich lebte mich nicht richtig ein in der arabischen Wüste, obwohl ich sehr hart arbeitete. Zu dieser Zeit drangen die Nachrichten über den Krieg in Syrien zu uns. Ich hörte sogar, dass sie Menschen für den Krieg zwangsrekrutierten. Anstatt nach Syrien zu gehen, packte ich also meine Koffer für Ägypten, denn ich wollte nicht in einem unsicheren Syrien landen.“

Nermeen erzählt ihre Geschichte weiter. Im Jahr 2013 willigte sie ein, einen 32-jährigen Ägypter zu heiraten. Es war der zweite Reinfall, ein weiterer freier Vogel im Käfig. „Dieser Mann war grausam. Ich konnte das Haus nicht verlassen. Er schloss mein Handy und meinen Pass weg. Er schlug mich, wenn ich etwas wollte. Ich war wieder hilflos, und ich fand keinen Weg, meine Familie zu kontaktieren und mich über diese Barbarei zu beklagen. Obwohl ich einige Male versuchte zu fliehen, war es nicht möglich. Schließlich kam meine Mutter, und ich ging zurück in das kriegszerrüttete Syrien. Aber dieser ägyptische Mann hörte nie auf, mich zu bedrohen, und sagte mir, er würde einen Weg finden, mich mit der Hilfe terroristischer Organisationen zu töten.“

„Ich war schwanger und stand kurz vor der Geburt. Ich war sehr schwach, und als meine Familie mich zum Krankenhaus brachte, waren die Straßen gesperrt, und es gab keine Gesundheitsversorgung aufgrund der Straßenkämpfe. So starb mein erstes Baby,“ erzählt Nermeen und beginnt zu schluchzen. Daraufhin versuchte sie erneut ihr Glück und reiste nach Jordanien und anschließend in die Türkei. Von dort kam sie mit der Hilfe von Schmugglern nach Griechenland. Mit einem Boot überquerte sie das Meer von der Türkei nach Griechenland. „Ich sah Leben und Tod aus nächster Nähe,“ erinnert Nermeen die haushohen Wellen und den schlechten Zustand des Bootes.

„Dann kam ich im Dezember 2015 nach Deutschland,“ sagt sie mit einem erleichterten Seufzer. „Ich bin super glücklich, hier mit meinem Sohn zu leben. Die Achtung vor den Menschen ist hier in Deutschland größer.“ Später heiratete Nermeen in Berlin erneut, aber auch diese Ehe hielt nicht lange. Sie gebar ein Kind. Tränen laufen an ihrem Kinn herunter, während sie ihrem Baby die Haare flicht. Nermeen ist betrübt über die Zukunft ihrer Tochter. Sie empfindet das Leben in Deutschland als sicher und gut ausgestattet. Sie möchte ihre Ausbildung fortsetzen und einen Abschluss erwerben, um ein unabhängiges Leben zu führen.

 

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